
Henry Camus, voll traumatisierter Klavierakrobat,
ist hin- und hergerissen zwischen seinen künstlerischen Ansprüchen
und dem Futterneid auf dilettantische Schaumschläger. Immer wieder
sucht er neue Strategien zum Erfolg - mal verliert er, dann findet er
seine Lebensfreude wieder.
Köstlich, wie sich der gefühlvolle Künstler durchs Leben
schlängelt. Als Kind erschüttert durch die Entdeckung, dass
Santa Claus als Werbefigur von Coca Cola lanciert wurde, kämpft er
künftig mit allem Nicht-Authentischen. Immer wieder muss er Niederlagen
einstecken. Mal klaut ihm einer das Publikum, mal den Erfolg und schliesslich
die Freundin. Tja, auch ein Ami kann halt verlieren. Aber immer wieder
rappelt er sich auf und gewinnt mit seiner tragikomischen Art das Publikum
für sich.
Wenn sein Magen bloss nicht so sensibel auf alles Verfälschte reagieren
würde. Auch mit den Religionen hat er abgeschlossen, nachdem er aus
Übereifer, allen Fastenvorgaben gerecht zu werden, bei der Magersucht
gelandet ist. Da scheint ihm der Berufsstand des DJs erstrebenswert, der
ihm genauso die Möglichkeit gibt, vor einer in Trance versetzten
Menschenmenge zu wirken.
Trotz des tiefsinnigen Untertons haftet dem Programm eine heitere Leichtigkeit
an. Flink wechselt das Multitalent die Rollen und Musikstile. Mal singt
er „Imagine“ auf Schweizerdeutsch, dann rapt er goldkettenbehangen,
um schliesslich wieder zum klassischen Stück zurückzukehren.
Dabei begeistern seine artistischen Einlagen ebenso wie sein virtuoses
Klavierspiel.